Titel:

Leseprobe zum Buch 创Ein teuflisches Zeug.``

Hauptseite
Startseite
english
  
ISBN: 3593372908   ISBN: 3593372908   ISBN: 3593372908   ISBN: 3593372908 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

Ist es denn ein Wunder, frage ich, dass uns überliefert ist, wie die schwarzhäutigen Wilden dieses Kon- tinents die Kaffeebohne aßen, bevor sie ihren Göttern Menschenopfer darbrachten? Man muss nur die gewalttätigen kaffeetrinkenden westlichen Gesellschaften mit den friedliebenden Teetrinkern des Orients vergleichen, um festzustellen, welch bösartige Wirkung dieses Gebräu auf die menschliche Seele hat.

»Du-bist-was-du-isst«-Spinner sind in Indien genau so verbreitet wie in Kalifornien. Was mich hingegen faszinierte, war der Kontrast zu einem französischen Buch aus dem 18. Jahrhundert, auf das ich zufällig in Hanoi gestoßen war. In diesem Buch, Mon Journal, führt der Moralist und Historiker Jules Michelet das Entstehen einer aufgeklärten westlichen Gesellschaft im Grunde genommen auf den Wandel der Europäer zu Kaffeetrinkern zurück: »Es besteht kein Zweifel, dass die Ehre für dieses Feuerwerk kre- ativen Gedankenguts teilweise jenem großen Ereignis zuzuschreiben ist, welches neue Sitten begrün- dete und sogar das menschliche Naturell veränderte – der Einführung des Kaffees.«

Wie typisch französisch, dachte ich damals, die Aufklärung auf einen Espresso zurückzuführen. Aber Michelets Beobachtung befindet sich überraschend mit jenen modernen Forschungsergebnissen im Einklang, die vermuten lassen, dass bestimmte Nahrungsmittel die Geschichte in bis dato ungeahnter Weise beeinflusst haben. Spezialisten dieser Fachrichtung, der so genannten Ethnobotanik, haben erst kürzlich die These aufgestellt, dass der Verzehr bestimmter Pilze gewisse Gehirnfunktionen verändere. Andere haben berichtet, dass die von den Mayas dargestellten heiligen Jaguare in Wirklichkeit Frösche sind, welche die Priester ihrer halluzinogenen Kräfte wegen massenhaft verzehrten. Die jüngste For- schung wies auch darauf hin, dass das Veilchen den Pharaonen deshalb als heilig galt, weil es berau- schend wirkte. All diese Nahrungsmittel sind Drogen, na klar. Wie auch der Kaffee – als jemand, der vieles ausprobiert hat, weiß ich, wovon ich spreche. Vielleicht war Michelet da einer wichtigen Sache auf der Spur. Wann hatten die Europäer damit angefangen, Kaffee zu trinken, und was tranken sie davor? Ich hatte keine Ahnung. Und ganz bestimmt hätte ich mir nicht träumen lassen, dass mich die Suche nach der Antwort auf diese Frage fast um den ganzen Erdball führen würde, mehr als dreißig- tausend Kilometer per Zug, Dau, Rikscha, Frachter und sogar auf einem Esel. Selbst jetzt, da ich diese Seite schreibe, weiß ich nicht, was ich von meinem Manuskript halten soll. Manchmal klingt es für mich wie das Gefasel eines Drogensüchtigen im Koffeinrausch, zu anderen Zeiten wie eine völlig glaubwür- dige Studie. In Kalkutta jedenfalls wusste ich lediglich, dass es nur einen Ort gab, wo man die Suche nach der Bestätigung für Michelets These vernünftigerweise beginnen konnte, und das war das Land,
wo der Kaffee vor mehr als zweitausend Jahren entdeckt worden war, jenes Land, das ich seit einem Jahrzehnt nicht mehr besucht hatte.

Es war an der Zeit, nach Äthiopien zu reisen und jene versprochene zweite Tasse zu trinken.

  
Ein teuflisches Zeug: Auf abenteuerlicher Reise durch die Geschichte des Kaffees
Sonstige Artikel:
Floral Patterns / Blumenmuster + CD ROM
Bis in die Ewigkeit
Knitting Without Tears: Basic Techniques and Easy-to-Follow Directions for Garments to Fit All Sizes (Knitting Without Tears SL 466)
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Hauptseite  |  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Copyright ©  |  Impressum